Herbst/Winter

Wenn der Sommer sich verabschiedet und die Tage kürzer werden, verändert sich nicht nur die Natur – auch unser Inneres stimmt sich um. Das Licht zieht sich zurück, die Farben verblassen, und plötzlich scheint die Welt in ein anderes Tempo zu fallen. Die kälteren Jahreszeiten sind eine Einladung, nach innen zu lauschen – und manchmal konfrontieren sie uns mit dem, was im Sommer vom Sonnenlicht überstrahlt war.

 

Wissenschaftlich betrachtet spielt das Sonnenlicht eine grosse Rolle für unser Wohlbefinden. Es steuert die Produktion von Serotonin, unserem „Glückshormon“, und beeinflusst den Tag-Nacht-Rhythmus über das Hormon Melatonin. Weniger Licht bedeutet: mehr Müdigkeit, mehr Rückzug, weniger Antrieb. Auch das Immunsystem arbeitet anders. Wenn wir innerlich langsamer werden, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Ausdruck natürlicher Anpassung.

 

Aus energetischer Sicht bringen die kälteren Monate eine Phase der Integration. Im Herbst ernten wir, was das Jahr gebracht hat – im Winter dürfen wir ruhen, verdauen, regenerieren. Diese Zeit lädt dazu ein, alte Themen loszulassen und sich zu sammeln. Wer lernt, die Qualität jener Phase anzunehmen, kann daraus immense Kraft schöpfen. Die Dunkelheit kann jedoch auch herausfordernd sein – vor allem, wenn ungelöste Emotionen oder Erschöpfung an die Oberfläche kommen. 

 

So wie die Natur ihren Rückzug braucht, benötigt auch die Seele Zeiten des Stillstands. Wir müssen nicht immer strahlen, blühen, oder leisten um lebendig zu sein. Die kälteren Jahreszeiten erinnern uns daran, dass Wachstum auch in der Tiefe geschieht – unsichtbar, aber essenziell. Die Dunkelheit trägt eine ganz eigene Intelligenz: sie zeigt uns, was geheilt, gehalten, oder verabschiedet werden will. Sie lädt uns ein, tiefer zu fühlen, und uns selbst wieder zu hören. Vielleicht ist das grösste Geschenk dieser Zeit die Erlaubnis, langsamer zu werden, sich einzuhüllen, nach innen zu lauschen und zu spüren, dass Licht nicht nur draussen existiert, sondern auch in uns. Und dass unser eigenes inneres Strahlen genau dort geboren wird, wo wir uns selbst liebevoll halten; auch mitten im Dunkeln.

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