17. März 2019
Es gibt diese Tage, an denen wir aufwachen und feststellen, dass wir eine Missstimmung in uns tragen. Es ist, als hätte uns dieses Gefühl über Nacht eingeholt, als hätte es nur darauf gewartet, bis wir aufwachen, und es uns überrollen kann. Falls möglich, versuchen wir es nochmals wegzuschlafen, oder lenken uns ab, um es möglichst nicht empfinden zu müssen. Gerade aber weil wir es unterdrücken, empfinden wir es als erdrückend. Wie immer empfangen wir, was wir (dennoch) aussenden.
10. März 2019
Früher, als ich klein war, hatte ich eine klare Vision: anfangs zwanzig ziehe ich von Zuhause aus und stehe auf eigenen Beinen. Dann lerne ich meinen Mr. Right kennen und wir bauen ein Haus nach unseren Wünschen. Dort wohnen wir dann mit unseren Tieren. Mitte zwanzig heiraten wir, spätestens wenn ich dreissig bin, kommt das erste von ganz sicher zwei Kindern auf die Welt. Es war für mich völlig selbstverständlich, dass es genau so sein wird. Ich hatte keine Zweifel.

03. März 2019
Erinnerst du dich noch an die Zeit, in der ich dich fürchtete? Unsere Landkarte ist nicht die Landschaft. Erlebtes kann zu fatalen Schlussfolgerungen führen. Viel zu lange habe ich dich verkannt. Zwischenzeitlich habe ich dich schätzen und lieben gelernt. Ich mag es, wie du alles prachtvoll umhüllst, die Welt in ein funkelndes Paradies verzauberst. Du erhellst die Landschaft in Tagen, die du sonst kürzer werden lässt. Du dämpfst alles so angenehm, entschleunigst, lädst ein zur Innenkehr.
24. Februar 2019
Bestimmt kennt ihr das auch: aufwachen und realisieren, dass alles nur ein Traum war, obwohl es sich so unglaublich echt anfühlte. Manchmal stimmt uns das wehmütig, ein andermal sind wir erleichtert. Während unser Körper ruht, fällt es unserem eifrigen Verstand leichter, ausnahmsweise nicht so fokussiert zu arbeiten. Unsere Seele kann auf Reisen gehen, und hier entstehen Träume. Ein Traum ist nicht nur einfach Vergangenes, was verarbeitet wird, sondern eine Art Zwischenwelt.

17. Februar 2019
Es gibt Momente, in denen ich mir überlege, das hier aufzugeben. Wenn man sich auf persönlicher Ebene exponiert, so wie ich es tue, kommt es vor, dass man zum Opfer von Fanatismus wird. Eine Thematik, die mich immer wieder tief erschüttert, und mich alles hinterfragen lässt. Fanatische Menschen triggern mich, lösen Ängste in mir aus. Um das Risiko von solchen «entdeckt zu werden» klein zu halten, müsste ich das öffentliche Ausleben meiner Leidenschaft unterlassen. Resignation als Selbstschutz.
10. Februar 2019
Fritz Perls stellte einst fest, dass es eigenartig ist, dass Menschen sprechen und zuhören können, aber nur sehr wenige zuhören, ohne zu sprechen. Wir haben die Fähigkeit, uns und anderen zuzuhören, ein Stück weit verloren. «Wie geht es dir?» missbrauchen wir vielfach als Worthülse, obwohl es den Kern meint. Diese Frage ist in der Lage, das Tor zur Seele öffnen, lädt zur Begegnung mit seiner Selbst ein, ermöglicht zwischenmenschliche Nähe. Aufrichtig verwendet, in jeglicher Hinsicht heilend.

03. Februar 2019
Hast du schon einmal einen Baum wachsen gehört? Er wächst still und bleibt bestehen, allen Jahreszeiten zum Trotz. So still, dass wir sein Wachstum nicht immer unmittelbar bemerken. Irgendwann aber stehen wir vielleicht vor ihm, halten inne, und staunen wir über seine Grösse. So ist es auch bei uns. Wachstum geschieht nicht im Tun, sondern im Sein. In den leisen und vermeintlich leeren Zwischenräumen. Dann, wenn es uns gelingt, im Lärm zur Ruhestätte für unseren Geist zu werden.
27. Januar 2019
Wir neigen zum Wegschauen. «Sehen und gesehen werden» ist aber ein Bedürfnis, welche alle in sich tragen. Auch, oder eben gerade jene Menschen, die oftmals viel zu lange nicht gesehen wurden. Dieses Bedürfnis hat nichts mit dem zu tun, was wir durch etwaiges Verhalten zu sein scheinen oder mit dem, was wir meinen, sein zu müssen. Es geht um das, was wir tief in unserem Inneren sind, um unseren wahren Kern. Um diesen in einem anderen Menschen zu erkennen, müssen wir mit dem Herzen sehen.

20. Januar 2019
Trennungsschmerz. Wer kennt das nicht? Er entsteht, wenn wir Jemanden durch Krankheit oder Tod verlieren, aber auch durch das Ende einer Beziehung. Ein Schmerz, der bisweilen durchaus zu einem kurzzeitigen Ich-Verlust führen kann, und längst nicht «nur» auf seelischer Ebene wirkt. Es fühlt sich an, als würde unser Herz in viele kleine Einzelteile zersplittern, und wir mit ihm, als würde sich alles viel zu schnell drehen, nur wir nicht, als wäre es das Ende der Welt, nichts geht mehr.
13. Januar 2019
Ein zutiefst menschliches, und für mich eines der wundervollsten und kraftvollsten Gefühle überhaupt, ist die Leidenschaft. Wie ein Kleber haftet sie zwischen uns und etwas, schlägt eine persönliche Brücke zwischen unseren Interessen, unserer Biografie, einer Aufgabe oder einer anderen Person. Leidenschaft bedeutet Hingabe mit Leib und Seele. Wie ein Treibstoff bringt sie uns voran und ermöglicht, dass wir schwierige Zeiten aushalten, sie ist ein Puzzleteil zum Erfolg.

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