Gehörst du auch zu den Menschen, die glauben, dass sie beim abendlichen Scrollen am Handy, beim ziellosen Serienschauen oder beim schnellen Griff zu Süssem „abschalten“? Ich verrate dir etwas: genau das Gegenteil passiert. Wir fahren nicht runter – wir überreizen uns. Emotionaler Konsum ist kein Ausstieg aus der inneren Anspannung, sondern eine Überlagerung davon. Er tröstet uns vielleicht kurz, aber stresst uns dann oft deutlich länger.
Psychologisch betrachtet aktivieren all diese Tätigkeiten unser Belohnungssystem, genauer gesagt die dopaminergen Bahnen des Gehirns. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der mit Motivation, Erwartung, Vorfreude und kurzfristiger Erleichterung verknüpft ist. Und genau hier liegt die Falle. Während Sexualität oder tiefes menschliches Verbundensein natürliche Spitzen und ein natürliches „Ende“ haben, ist emotionaler Konsum theoretisch grenzenlos. Ein weiterer Swipe. Eine weitere Serie. Ein weiterer Kauf. Noch ein Snack. Der Körper signalisiert nicht „es reicht!“, sondern „vielleicht kommt gleich noch etwas besseres und ein bisschen mehr Erleichterung.“
Diese offene Schleife führt dazu, dass das Belohnungssystem ständig neu angefeuert wird, aber selten in die Ruhe zurückkehrt. Wir spüren dadurch keine echte Entspannung, sondern eine leichte Betäubung, die eigentliche innere Regungen kaschiert. Das ist der wahre Grund, weshalb wir meinen, emotionalen Konsum zu brauchen. Nicht, um zu entspannen, sondern um innere Unruhe zu übertönen. Wir fühlen uns danach aber nicht satter oder ruhiger, sondern entleert, reizüberladen und gleichzeitig innerlich unberührt.
Emotionaler Konsum ist also letztlich immer ein Zeichen dafür, dass unser Nervensystem versucht, einen Mangel auszugleichen – oft einen Mangel an echter Regulation, an Kontakt, an Resonanz oder an Momenten, in denen wir wirklich fühlen dürfen. Erst wenn wir begreifen, dass „Abschalten“ nicht durch noch mehr Reize, sondern durch die Fähigkeit zur inneren Beruhigung entsteht, können wir neue Wege finden: Wege, die nicht betäuben, sondern nähren. Wege, die nicht überdecken, sondern regulieren. Wege, die uns zurückbringen – zu uns selbst.