Nach meinem letzten Beitrag haben mich viele Menschen darauf angesprochen, wie ich das mache. Sie erfragen insbesondere, wie es mir gelingt, die innere Wahrheit in solch schwierigen Zeiten zu erkennen und Klarheit zu gewinnen. Die ehrliche Antwort ist: es ist eine grosse Herausforderung, weil wenn die Wellen hochgehen, wird die Stimme der Angst vor allem am Anfang - und zwischendurch immer mal wieder - extrem laut. Sie drängt, fordert eine sofortige Lösung und erzeugt Druck, Enge sowie einen Tunnelblick. Gerade im Bereich von Diagnosen wird der Angst-Nährboden auch von schulmedizinischen Fachpersonen fleissig gedüngt. Wir haben keine Zeit zu verlieren und es gibt nunmal nur diese eine einzige Lösung - und wenn wir das nicht machen, kann dies und jenes passieren.
Intuition funktioniert ganz anders; sie ist leise und braucht Raum. Deshalb meine ehrliche und vielleicht überraschend einfache Antwort: ich warte und reagiere nicht in der höchsten Welle. Ich treffe keine Entscheidungen, wenn mein Nervensystem in Alarm ist, und werde skeptisch, wenn jemand mir weismachen will, ich hätte keine Wahl. Wir haben immer eine Wahl und wir haben fast immer mehr Zeit, als die Angst (oder andere) uns einredet. Intuition ist kein impulsiver Reflex, sondern sie entsteht in einem Zustand, in dem wir wieder fühlen und differenzieren können. Sie ruft nicht, sondern sie wartet, bis wir wieder zuhören können. Und sie zeigt sich immer dann - ganz ruhig und klar - wenn unsere Körper wieder Boden spüren, unser Atem wieder ruhiger wird, und unsere Herzen nicht mehr so gehetzt sind.
Schnelle Handlungen sind selten mutig, sondern entspringen oft vielmehr der Angst, welche wir im Sturm für unsere eigene Stimme halten. Sei geduldig, warte. Und lausche dann der Stille, die nicht leer sondern voller Antworten ist - sie kommt nach jedem Sturm.