Stressmanagement

Während meiner Trauer um Malou sind meine Gedanken oft schwer. Sie gehen nach hinten – zu dem, was gewesen ist - und nach vorne - zu dem, was jetzt nie mehr sein wird. Der menschliche Geist kennt diese grossen Worte "für immer", "nie mehr", "jetzt wird alles anders". Gedanken, die Gefühle verstärken und Trauer tiefer machen. Auch plagten mich Sorgen um ihre Schwester Akira und ich fragte mich im Vorfeld des Abschieds, wie sie damit umgeht, was sie zur Verarbeitung braucht, und ob sie "alleine" zurecht kommt.

 

Als Therapeutin spreche ich oft darüber, wie wichtig Regulation für unser Nervensystem ist. Dass wir lernen dürfen, Stress nicht nur auszuhalten, sondern ihn auch wieder loszulassen. In jener Zeit ist es ausgerechnet Akira, die mir genau das vorlebt. Sie fühlt alles, aber sie trägt es nicht ewig mit sich herum. Sie trauert auf ihre Weise und zeigt mir, dass es nicht bedeutet, im Schmerz wohnen zu müssen. Für sie ist die Welt weiterhin genau dort, wo sie immer war. Sie hat den Abschied ebenfalls erlebt, und doch scheint ihr Körper etwas zu tun, was wir Menschen oft verlernt haben: Sie bleibt im Hier und Jetzt. 

 

Wir Menschen haben eine erstaunliche Fähigkeit entwickelt, Stress zu konservieren. Unser Nervensystem reagiert auf reale und gedachte Bedrohungen fast gleich, und so bleiben wir viel länger im Alarmzustand, als es biologisch vorgesehen wäre. Auch Tiere kennen Alarmzustände und auch ihr Körper schaltet in Kampf, Flucht oder Erstarrung, wenn Gefahr droht. Der Unterschied liegt also nicht im Stress selbst, sondern darin, was danach passiert: sie schütteln sich, sie strecken sich, und sie legen sich irgendwo hin - und dann ist es vorbei. Kein Grübeln darüber, was hätte passieren können. Keine inneren Wiederholungen der Situation. Keine Gedankenschleifen, die den Körper weiterhin im Alarm halten. 

 

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen überhaupt für Menschen die fühlen, denken, erinnern, befürchten und kontrollieren: Stress vollständig zu leben - aber nicht dauerhaft. Kämpfen, wenn es nötig ist. Fliehen, wenn es sinnvoll ist. Und danach ruhen. Ohne Schuldgefühl, ohne Rechtfertigung, ohne den Anspruch, ständig funktionieren zu müssen. Nicht weniger fühlen und stärker sein, sondern lernen, ganz bewusst wieder loszulassen, wenn der Moment vorbei ist. Oder wie Akira es sagen würde, wenn sie könnte: manchmal ist ein Sonnenfleck auf dem Boden bereits mehr als genug, um den nächsten Moment zu beginnen. 

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