Immer wieder höre ich von Klienten, dass sie bereits Jahre zuvor in einer psychischen Krise Hilfe gesucht haben. Viele von ihnen gingen zum Hausarzt und bekamen eine Verordnung für Psychotherapie. Nicht selten erleben sie dann Folgendes: 15 Sitzungen, eine Diagnose, ein Medikament - oder die Aussage, es sei ja nicht so schlimm. Was mich bestürzt, ist die Tatsache, dass bei der Mehrheit jener Menschen nie wirklich hingeschaut wurde. Statt zu fragen, was passiert ist, was zu diesem Zustand geführt hat, welche inneren Konflikte, Überforderungen, Beziehungsmuster oder Lebensumstände dahinterstehen, werden einfach Symptome bekämpft und/oder bagatellisiert - und dadurch noch mehr unterdrückt.
Ich erachte es als meine Pflicht, in diesem Thema immer wieder gezielt zu sensibilisieren, weil ich viel zu oft sehe, was die Folgen daraus sind. So viele Menschen verlassen Therapien mit dem unguten Gefühl, niemand könne ihnen helfen, obwohl sie einfach nie wirklich verstanden und gesehen wurden. Sie verlieren verständlicherweise das Vertrauen in therapeutische Unterstützung und verharren teilweise über Jahre in ihrem Zustand, welcher sich nunmehr verschlechtert. Manche von ihnen betäubt durch verordnete Medikamente, andere ohne und in Angst, dass sie wieder medikamentös behandelt und nicht ernstgenommen werden, wenn sie echte Begleitung wünschen.
Psychische Symptome entstehen nie einfach grundlos, sondern sind immer die Sprache eines überlasteten Nervensystems. Sie sind Folge von chronischer Anpassung, unterdrückten Bedürfnissen, ungelösten Konflikten, Überforderung, Verlust, Beziehungsmustern oder einem Leben, das sich nicht mehr stimmig anfühlt. Kein Medikament dieser Welt kann diese Ursachen wegtherapieren. Es kann Symptome dämpfen, stabilisieren, und entlasten - und manchmal ist das wichtig und richtig. Aber echte Heilung beginnt immer dort, wo ein Mensch sich selbst wieder versteht. Dort, wo Zusammenhänge erkannt werden, wo Gefühle wieder gefühlt werden dürfen, wo wir lernen, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und beginnen, wieder auf uns selbst zu hören, statt nur zu funktionieren.
Ich wünsche mir mehr therapeutische Räume, in denen nicht nur diagnostiziert und Symptome verwaltet werden, sondern in denen Menschen wirklich gesehen werden. Eine gute Therapie besteht nicht aus einem Reparaturservice, sondern aus echter Begleitung mit Herzenswärme. Sie startet mit dem Mut, gemeinsam an die Wurzel zu gehen, und endet mit demselben, sie umgehend zu beenden, wenn das nicht geschieht. Gerne reiche ich dir meine Hand.