Sei dein eigener König der Lüfte

Der König der Lüfte kreist oft stundenlang am Himmel und schaut mit seinen Adleraugen von oben auf uns herab, ehe er sich für ein geeignetes «Opfer» entscheidet. Der Adler packt die Beute folglich beim Niederstossen aus dem Flug mit den Fängen; dabei weisen drei seiner Zehen nach vorne, die Hinterkralle durchsticht den Beutekörper in einer Zangenbewegung und durch den Griff wird die Beute schliesslich erstickt. Irgendwie scheinen wir Menschen immer wieder beeindruckt davon zu sein, wie gezielt er sich auf etwas stürzt und es zu Seinem macht. Zugleich sind wir aber auch erschrocken über seine Brutalität und empfinden Mitgefühl für das hilflose Opfer. Der Adler besitzt eine ausserordentliche Sehschärfe, welche es ihm gestattet, seine Ziele auch aus grösster Höhe zu fixieren und sie so aus der Vogelperspektive zu verfolgen. Er wird mythologisch mit der Sonne in Verbindung gebracht; er hat eine unglaubliche Kraft und Ausstrahlung und ist dank diesen Eigenschaften, nach dem Löwen, das zweitwichtigste Wappentier der Welt. Erhaben, stolz und mächtig zieht er seine Kreise am Himmel. Mit einer imposanten Spannweite von bis zu über zwei Metern, weist sich der Adler als ein hervorragender Segler aus. Trotz seiner Grösse ist der Adler ein wendiger Flieger voller Eleganz. Zum Fliegen nutzt er Aufwinde. Der Adler gilt als Krafttier von dem wir Menschen – wie meiner Meinung nach von so vielen Tieren – eine Menge lernen können, wenn wir seine Lebensweise und seine damit verbundenen Botschaften verstehen und auf uns beziehen.

Der Adler, König der Lüfte
Der Adler, König der Lüfte

Wir Menschen handeln manchmal tatsächlich wie ein hungrig-gieriger Adler: wir beobachten Situationen und andere Lebewesen «von oben herab» und werten mit «gut» oder «nicht gut». Wir sind süchtig nach immer noch mehr und handeln dabei oft sehr eigennützig. Wir nutzen unsere Stärke, um hin und wieder ziemlich brutal und rücksichtslos zuzupacken. Das Einsetzen dieser Stärke auf eine solche Art und Weise, ist nicht immer unangebracht – im Gegenteil. In gewissen Situationen

(z.B. im Berufsleben oder in Entscheidungsfindungen), bringt uns das rationale Werten über gewisse Dinge bzw. die Fähigkeit, sie mit unseren Adleraugen genau unter die Lupe zu nehmen (ohne sie zeitgleich mit Emotionen zu vermischen), in persönlichen Prozessen weiter und ist von Arbeitgebern oft gern gesehen. Wir sind dadurch effizient und sicher unterwegs, räumen jegliche Hindernisse aus dem Weg und lassen uns durch nichts davon abhalten, klare Ziele vor Augen zu haben und es zu wagen, sie kraftvoll anzupacken – das ist in vielen Lebensbereichen und Situationen sicherlich sehr sinnvoll und überaus bereichernd. Nun ist es aber leider auch so, dass viele Menschen dazu neigen, dieses Verhalten auch in zwischenmenschlichen Beziehungen zu zeigen. In aller Art von Beziehungen und (eigentlichen) Herzmomenten, schaden wir mit einem solchen Verhalten letztendlich nicht nur anderen Lebewesen, sondern vor allem auch uns selbst. In solchen Konstellationen erstickt mit diesem Adlerverhalten tatsächlich alles im Keim; wir verunsichern und verletzen andere Menschen mit unserem «von-oben-herab-wertenden» Verhalten und verpassen es, unseren Mitmenschen auf Augenhöhe zu begegnen und uns von ihnen im Herzen berühren zu lassen, während wir sie mit unserem Sein sanft im Herzen berühren. Wir vergessen mit einem rein rationalen Gedankengut total, im Hier und Jetzt zu verweilen und zu geniessen. Wir handeln ausschliesslich mit dem Kopf und im Sinne unseres «Überlebens» und blenden dabei einfach jegliche Gefühle aus, unser Herz verkümmert nach und nach. Dabei werden wir von anderen dann zwischenmenschlich relativ bald als herzlos, brutal, egoistisch oder gar narzisstisch wahrgenommen. Ich glaube nicht, dass es da draussen irgendeinen Menschen gibt, der in der Tiefe seines Herzens wirklich so sein möchte…

 

Es gilt nun also, die Stärken eines Adlers – welche so viele von uns in sich tragen – in einem guten Mischverhältnis zu nutzen und den Adler so vorwiegend als sonniges Krafttier wirken zu lassen. Nutzen wir die Stärke der Vogelperspektive mit rationalem und genauem «unter die Lupe nehmen» und werten doch vorwiegend dann, wenn dies für uns und für die Situation fördernd ist. Wandeln wir sie doch in anderen Situationen insofern um, als dass wir die Vogelperspektive entweder dazu nutzen, um unsere Flügel auszubreiten und dankbar zu sein, dass wir durch den momentanen Aufwind (allenfalls durch ein Gegenüber, durch Erfolge, durch ein schönes Erlebnis, was auch immer) so wunderbar fliegen und dahingleiten können und die Landschaft einfach nur von oben geniessen dürfen, ohne über einzelne Teile davon zu urteilen oder für noch mehr zupacken zu wollen. Seien wir doch einfach nur dankbar, für das, was JETZT gerade ist. Seien wir auch achtsam, dass wir durch etwaige Erfolge nicht derart in die Höhe wachsen, dass wir abheben, sondern unsere Wendigkeit und Eleganz trotz unserer Grösse stets beibehalten. Und vor allem, erlauben wir uns doch immer wieder Zwischenlandungen; um wieder den Boden unter unseren Füssen zu spüren, geerdet zu sein, unsere Augen auf das was unmittelbar vor uns liegt zu richten, im Hier und Jetzt anzukommen und unser Herz zu öffnen für all das Schöne, was gerade stattfindet in dieser Welt, in unserer ganz eigenen kleinen grossen Welt. Verschaffen wir uns doch einfach – jeder für sich – mit unserer persönlichen Flügelspannweite Freiheiten in allen möglichen Lebensbereichen, sodass wir letztendlich frei sind wie ein Vogel, der zu jeder Zeit selbst entscheidet, welcher Adler er gerade zu sein vermag.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch von Herzen ein starkes Wochenende voller Freiheiten.

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