Der Hamster im Laufrad und wie er Ruhe fand.

"Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Und wenn ich ankomme, dann komme ich an." 

 

"Das tun wir doch auch!" 

 

 

"Nein. Wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann geht ihr schon, und wenn ihr geht, dann glaubt ihr euch schon am Ziel."

Schneeschuhwanderung auf dem Raten, Zentralschweiz. In den Schnee fallen lassen und entspannen.
Schneeschuhwanderung auf dem Raten, Zentralschweiz. In den Schnee fallen lassen und entspannen.

Hektische Zeiten. Verplante Tage. Haufenweise Pendenzen. Den Kopf voll mit diversen Dingen. Wenig Freizeit. Wir alle kennen das, oder gibt es jemanden der das liest, dem das völlig fremd ist?

 

Zeit für ein paar ehrliche und sehr persönliche Worte an euch, meine lieben Blogleser: ich bin der im Titel erwähnte Hamster im Laufrad. Ja, ich bin in letzter Zeit total fokussiert am Rennen und hin und wieder haut es mich so richtig aus der Bahn. Ich bin erschöpft und mein Körper rebelliert immer wieder mit diversen Kränkeleien. Ich begleite und berate Menschen und bin mir gegenüber manchmal ratlos. Ja, so ist es, so bin ich! Die weitverbreitete Annahme, Menschen mit einer Ausbildung wie ich sie habe, wüssten sich doch immer zu helfen, ist in Wirklichkeit ein ganz grosser Irrtum. Nun aber zur Geschichte, wie der Hamster nach Monaten endlich den Schlüssel zur Ruhe fand.

 

Am Sonntag habe ich meinen langersehnten Freitag genutzt und konnte bei einer wunderbaren Schneeschuhtour so richtig Energie tanken, ich verspürte pure Lebensfreude. Es tat unglaublich gut, einfach mal alles loszulassen und mich (im Schnee) fallen zu lassen, eine Weile liegen zu bleiben, bewusst das geniessen was gerade stattfindet und stolz zu sein, auf den zurückgelegten Weg. Als ich schliesslich heute Morgen am Esstisch sass und meinen Kaffee schlürfte, hat sich mein Kätzchen Malou wie so oft auf meine Beine gelegt, hat es sich gemütlich gemacht und ist kurz darauf eingeschlafen. Dies hat mich dazu bewegt, meinen Kaffee nicht wie gewohnt schnell schnell hinunter zu leeren, sondern ihn ganz genüsslich zu trinken. Währenddessen habe ich mir mein schlafendes Kätzchen angesehen, es sanft berührt, seine Wärme genossen - und mein Herz füllte sich rasch mit Wärme. Dann wanderte mein Blick nach draussen zum Katzennetz auf meinem Balkon, welches voll ist mit Reiffe und sich vom Wind langsam hin und her bewegte und zu den Bäumen, welche so märchenhaft bedeckt sind mit Schnee - und ich verspürte reine Freude und Bewunderung gegenüber unserer Natur. Anschliessend beobachtete ich mein zweites Kätzchen Akira, welches freudig einen Ball mit ihren Pfötchen fortbewegte und diesen jagte - und mich überkam ein lautes Lachen. Und so sass ich da, an einem ganz normalen Dienstagmorgen kurz vor Aufbruch an die Arbeit, und stellte fest, wie mein Geist in aller Hektik des Alltags plötzlich ganz von alleine ruhig wurde. Wie mein Körper, der unter dem ganzen Stress leidet, sich plötzlich federleicht anfühlte. Und mir wurde bewusst, dass ich nun genau dasselbe tat, was ich am Sonntag getan habe; loslassen, mich fallen lassen, innehalten, einfach nur den Moment leben. Gleichzeitig kam mir der Gedanke, dass ich am Sonntag zusätzlich stolz war. Und wieder überkam mich ein Lächeln, denn ich verspürte sogleich Stolz auf meinen persönlichen Weg, den ich in den letzten Monaten zurückgelegt habe. Stolz und tiefe Dankbarkeit.

 

Und ich musste schmunzeln, wie einfach das doch geht. Dass ich diesen wunderbaren Zustand von absoluter Leichtigkeit und Lebensfreude - wie ich es auch am Sonntag verspürte - so ganz einfach mitten im ganz normalen Alltag erreichen konnte. Und darüber, dass ich doch eigentlich haargenau wüsste, was man mit Innehalten erreichen kann - und es mir manchmal dennoch nicht gelingt. Und mit Innehalten meine ich, sich ganz einfach im Hier und Jetzt nur mit dem zu beschäftigen, was gerade ist - nicht ständig schon einen Schritt weiter zu sein. Und die Augen und das Herz stattdessen für all die kleinen schönen Dinge zu öffnen, welche einem jetzt gerade umgeben - und sie zu den grossen Dingen zu machen, an denen wir im Alltag Energie tanken können. Und so renne ich nun weiter in meinem Laufrad durch diese hektische Zeit. Mit einem kleinen aber sehr bedeutenden Unterschied: ich renne kräfteschonend wenn ich renne, und wenn ich ruhe dann ruhe ich - körperlich und gedanklich. 

 

Von Herzen hoffe ich, dass ich mit diesem doch sehr persönlichen Blogbeitrag einige Herzen erreiche und ganz viele andere rennende Hamster dadurch ebenfalls etwas Ruhe finden und im Alltag einbauen können. In der Ruhe liegt die Kraft!

 

 

 

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