Kein Leben ohne Schmerz

Ganzheitliche Psychosoziale Beratung Sara Vercellone - Blog kein Leben ohne Schmerz, es scheint durch die Dunkelheit das Licht
Ganzheitliche Psychosoziale Beratung Sara Vercellone - Blog kein Leben ohne Schmerz, es scheint durch die Dunkelheit das Licht

Eine der grössten Motivationen des menschlichen Handelns ist die Vermeidung von Schmerz. Menschen wollen sich nicht verlieben, weil sie den Schmerz des Verlassen(werdens) nicht spüren wollen. Sie zeigen sich nicht, weil sie Angst haben, abgelehnt zu werden. Sie wollen sich nicht hingeben, aus Angst die Kontrolle zu verlieren. Sie müllen sich mit diversen unwichtigen Tätigkeiten, Dingen und oberflächlichen Kontakten zu, um möglichst nicht mit dem Schmerz konfrontiert zu werden. Schade, denn unter dem Schmerz liegt das Licht. Und da ist er ja ohnehin.

 

Solange unsere Motivation die Vermeidung von Schmerz ist, wird alles - egal ob irgendwelche Substanzen, Meditation, positives Denken, Sport, Therapien, usw. - nichts weiter sein, als eine Flucht vor etwas, vor dem wir nicht flüchten können. Wir werden immer wieder feststellen, dass wir den Schmerz nicht loswerden, und entwickeln dadurch Ängste und Aggressionen. Wir sorgen für eine Spaltung zwischen uns und unserem Schmerz, welcher jedoch genauso zu uns gehört. Ablehnung von Schmerz hat also rein gar nichts mit Erleuchtung zu tun, sondern führt langfristig eher zur Depression. Es gibt kein Leben ohne Schmerz. Mit diesem Verhalten schützen wir uns demnach stupiderweise vor dem Leben an sich. Wer sich nach einem erfüllten Leben sehnt, sollte ein gewisses Mass an Bereitschaft aufbringen, Schmerzen zu erleiden, sich selbst zu verlieren, zu trauern und Angst zu haben. 

 

Erleuchtung geschieht niemals im Licht. Es geschieht, wenn wir lernen, in der Dunkelheit zu sehen, und den Schmerz in unser Sein zu integrieren. Wenn wir nicht weg-, sondern hinschauen, wird rasch Licht durch die kleinen schmerzhaften Risse in unserer Seele durchdringen. Es erlaubt uns, endlich wieder «ganz zu sein», weil die Spaltung sich durch die Integration aufhebt. Schmerz wandelt sich, wenn wir bereit sind, ihm ins Gesicht zu schauen, ihn wertfrei zu beobachten, zuzulassen, und letztlich anzunehmen. Es sollte also primär nicht um die Vermeidung von Schmerz gehen, sondern vielmehr darum, ihn in seinem Kern zu verstehen. Zu erkennen, was genau dahinter verborgen liegt, und sich dann mit seiner Herkunft in aller Liebe zu versöhnen. So, und vermutlich nur so, können wir ihn langfristig in eine gesunde Richtung lenken. 

 

Ach ja, und was das «sich verlieben» betrifft: wir brauchen natürlich nicht unbedingt diesen einen anderen Menschen, um ein erfülltes Leben zu führen. Aber seien wir ehrlich... wenn es Jemanden gibt, der unsere Wunden küsst, und sie nicht als Unheil in unserer Seele sieht, sondern eben als kleine Risse, in die er seine Liebe, und so auch sein eigenes Licht, hineinlegen und durchscheinen lassen kann, dann ist doch das etwas ganz Wunderbares. Etwas, für das es sich lohnt, sich seinen Ängsten zu stellen, sich so zu zeigen wie man ist, und sich voll und ganz hinzugeben. Mit dem Risiko, dass es irgendwann wieder wehtut, vielleicht - und vielleicht auch nicht.

 

Mit der Zeit manifestiert sich in uns das tiefe Wissen, dass uns, egal wie sehr es schmerzt, nichts und niemand erschüttern kann. Weil am Ende immer durch die Dunkelheit das Licht scheint - denn wir selbst sind das Licht. Und weil wir verstehen, dass unsere Aufgabe nicht darin besteht, die Liebe zu suchen, sondern in uns selbst alle Schranken zu finden, die wir gegen sie aufgerichtet haben. Lasst uns diese überwinden und nach und nach niederreissen. Immer und immer wieder.

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