Der Schatten, der alles blockiert

Unsere Zivilisation hat eine ganze Reihe von neuen Ängsten hervorgebracht. Angst, den Lebensstandard nicht halten oder den beruflichen Anforderungen nicht mehr Folge leisten zu können, Angst einem Schönheits- oder Leistungsideal nicht zu entsprechen, Angst vor oder in Beziehungen (Bindungs- und Verlustängste), Angst vor wirtschaftlichen Krisen, Angst vor Krankheiten, Angst vor Terrorismus, Angst vor Atomkraft, Angst vor Wandel und Risiko, uvm. Wir alle sind, vermutlich gerade eben durch unsere Ängste, so unglaublich besessen von einem Streben nach Sicherheit, was auf politischer Ebene zu immer mehr neuen Gesetzen führt. So treiben wir uns zunehmend in eine äusserliche und innerliche Enge, und erschaffen dadurch stupiderweise den optimalen Nährboden für Angst. Gleichzeitig wird uns immer wieder eindrücklich vor Augen geführt, dass es absolute Sicherheit niemals gibt, was wiederum starke Ängste auszulösen vermag. Der idealisierte Mensch der heutigen Gesellschaft hat sein Leben aber stets im Griff. Er vertritt das Bild eines starken und souveränen Individuums. Angst gilt oftmals als Indiz für Schwäche und so würde der Verlust von Souveränität drohen. Wir neigen deshalb dazu, Ängste oft gar nicht bewusst wahrzunehmen, und wenn wir sie wahrnehmen, möglichst nicht zu spüren - und dazu greifen wir zu diversen Mitteln. Wir versuchen sie zu verdrängen, zu leugnen, zu betäuben oder auf Dauer mit Medikamenten loszuwerden. Wir halten an unserer Angst fest, weil wir sie tabuisieren, weil es uns (gerade bei starken Ängsten) immense Kraft, verbunden mit Schmerzen, kosten würde, sich ihr zu stellen, oder weil sie uns paradoxerweise eine vermeintliche Sicherheit gibt. Letzteres erlebe ich besonders in meiner Arbeit im sozialpsychiatrischen Bereich sehr häufig, Hierbei spielt auch die Angst, die Angst aufzugeben, eine zentrale Rolle. Eines ist gewiss: in jedem Menschen wohnen diverse Ängste inne. In absolut jedem.

 

Letztlich wollen wir alle im Grunde doch nur eines, nämlich glücklich sein. Das Leben hat nun aber immer zwei Seiten (dunkle und helle) und es möchte in seiner Ganzheit gelebt werden. Indem wir versuchen das Negative (so auch die Angst) zu verdrängen, lehnen wir das Leben in seiner Ganzheit ab und gründen unser (Er)Leben auf Halbwahrheiten. Das Glück entgleitet uns immer wieder und es entstehen nach und nach Blockaden. Verdrängtes löst sich nämlich niemals auf und verschwindet, sondern es wandert ins Unbewusste und entfaltet seine Wirkung dort in unverminderter Stärke: es beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln und erzeugt dadurch nicht selten Probleme in unserem Umfeld und vorallem in uns selbst. Wenn wir es dann über einen längeren Zeitraum ignorieren, kann es sich intensivieren, ohne dass wir die Zusammenhänge noch erkennen. Oft zeigt sich dies dann über den Körper oder aber durch veränderte Bewusstseinszustände. Um glücklich zu sein, müssen wir uns also mit allen Aspekten des Lebens auseinandersetzen, auch - und insbesondere - mit den negativen. Angst löst sich nur auf, wenn wir uns ihr stellen. Dazu müssen wir sie hervorholen, uns ihrem Wesenskern zuwenden, und sie soweit wie möglich verstehen. So, und nur so, können wir sie bewusst loslassen. Und ja, das braucht - je nach Ausmass der Angst - manchmal ganz schön viel Zeit. Insgesamt hat mir meine Erfahrung aber gezeigt, dass hinter jeder Angst immer etwas noch Stärkeres liegt. Ich nenne es grundsätzlich Liebe. So wie die Angst immer ein ständiges und wiederkehrendes zentrales menschliches Erlebnis sein wird, so ist es auch die Liebe in all ihren Formen. Der Unterschied ist, dass Liebe das Leben erhalten und fördern will, und Angst es stört und zersetzt. So würde ich behaupten, dass das Gegenteil von Angst Liebe ist. Es sind die grossen Grundkräfte, die unser Leben bestimmen, und alle anderen Emotionen gründen auf diesen beiden. Dort, wo wir Liebe entfalten lassen, reduziert sich die Angst auf ein Minimum, und andersrum. 

 

Ich glaube, wir sollten uns vermehrt darum kümmern, unserem Leben in seiner Ganzheit zu begegnen, und es so voll und ganz zu bejahen, denn darum geht es doch im Grunde. Egal wie schwierig und schlimm es in deinem Leben gerade sein mag, es existiert in all dem immer auch Gutes - du musst es nur sehen. Sobald du damit beginnst, dem Guten ebenfalls Raum zu geben, wirst du feststellen, wie das Schwere in dir sich allmählich auflöst, weil es ganz einfach an Bedeutung verliert. Die Entstehung deiner Wunde mag vielleicht nicht dein Verschulden sein, aber dessen Heilung liegt alleine in deiner Verantwortung - und sie heilt nicht, indem du sie ignorierst. So fordere ich dich heute auf, damit zu beginnen, dich mit deinen Ängsten auseinanderzusetzen. Wovor hast du Angst und welche Gefühle ersetzt du dadurch in Tat und Wahrheit? Was auch immer es ist, bedenke, dass es - sofern du es bis anhin verdrängt hast - nichts anderes ist als ein Schatten, der alles blockiert; deine Liebe, dein Denken, deine Gefühle, dein Handeln, dein Glück und letztlich dein ganzes Sein. Sei kein Feigling. Beginne JETZT damit, dein Leben in seiner ganzen Fülle zu leben. Dazu reiche ich dir in aller Liebe meine Hand - melde dich einfach für ein unverbindliches Erstgespräch.

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