Elefanten im Porzellanladen

Ganzheitliche Praxis Sara Vercellone Blog Elefanten im Porzellanladen
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Immer mehr sinniere ich über gesellschaftliche Dogmas, hinterfrage sie, und ärgere mich teilweise auch über sie. Es gibt diverses, was ich nun aufgreifen könnte. Ein grosser Bereich der mich persönlich, aber auch ganz viele Frauen in meinem Umfeld, immer wieder mehr oder weniger stark beschäftigt, liegt in der Erwartungshaltung an uns ab einem gewissen Alter und dessen Auswirkungen.

 

Als meine Schwester im November 2018 heiratete, wurde ich mehrfach von näheren wie auch flüchtigen Bekannten darauf angesprochen, was denn eigentlich mit mir sei bzw. weshalb ich immer noch, oder schon wieder, partnerlos bin. Ich sei doch hübsch und intelligent. Als würde ich mich in einem Mangel befinden, oder als wäre es eine Krankheit, in diesem Alter ohne Partner zu sein. Was mit mir war, das ist eine längere Geschichte. Eine, die ich nicht gegenüber allen erläutern will und muss. Es hat aber auch einfach gedauert, bis mein Seelenpartner und ich uns begegnet sind. Kaum ist dies geschehen, folgten Fragen nach unseren Zukunftsplänen. Als würde die Tiefe meiner Gefühle z.B. davon abhängen, ob ich es wage, mit ihm eine gemeinsame Wohnung zu beziehen. Es gibt Gründe, warum ich mich damit schwertue. Solche, die ich nicht gegenüber allen erläutern will und muss. Und ich weiss genau, sobald dies geschieht, folgen neue, und doch ähnliche Fragen. Denn kaum zusammengezogen, erwarten sie die Heirat. Kaum geheiratet, erwarten sie das erste Kind. Kaum ist es da, erwarten sie weitere. Wie in einer Endlosschlaufe werden wir mit dem vermeintlich offensichtlich nächsten Schritt konfrontiert.

 

Ich möchte aber da leben, wo ich tatsächlich leben kann. In der Gegenwart. Und ich möchte mich nicht permanent mit Fragen beschäftigen und überfordern müssen, die die Zukunft betreffen, und dessen Antwort ich selbst vielleicht noch gar nicht kenne. Manchmal benehmen wir uns, und ich schliesse mich da nicht restlos aus, wie Elefanten im Porzellanladen. Taktlos und unsensibel stellen wir solche Fragen, als würden wir uns nach dem Weg erkundigen, ohne auch nur eine Sekunde in Erwägung zu ziehen, dass die angesprochene Thematik, die an sich schon äusserst intim und zartbesaitet ist, die Betroffenen unter Umständen so stark triggern kann, dass die ohnehin schon vorhandene Wunde noch stärker blutet. Zum Beispiel bei denen, die sich von Herzen eine Beziehung wünschen, deren Angst jedoch grösser ist. Oder bei solchen, bei denen zwischen Hoffnung und Verzweiflung jeden Monat aufs Neue ihre ganze Welt zusammenbricht, weil sie schon wieder nicht schwanger sind. Oder aber bei jenen, die seit jeher keinen Kinderwunsch in sich tragen, wobei ihre Kinderlosigkeit letztlich auch ein Akt der Mutterliebe ist - nämlich für die Kinder, die sie nicht haben - denen aber permanent vermittelt wird, mit ihrer Natur stimme wohl etwas nicht. Oder bei anderen, die mit ihrem Einzelkind zwar glücklich, jedoch gleichzeitig in allen Bereichen gefordert und bisweilen überfordert sind.

 

Es wäre schon schön, wenn wir, bevor wir solche Fragen stellen - an uns selbst und an andere - das Vielleicht in all seinen Formen bedenken und umarmen. Denn vielleicht weiss sie nicht, vielleicht will sie nicht, und vielleicht kann sie nicht. Wir alle haben unsere Gründe, weshalb etwas ist, wie es ist. Und wir müssen JETZT noch nicht alle Antworten kennen. Vielleicht aber wachsen wir in die wichtigsten Antworten eines Tages hinein. Ganz von alleine. Ohne Druck und Überforderung durch betroffenes Schweigen, durch irgendwelche Gegenargumente für Entscheidungen, die uns allein überlassen sein sollten, oder durch etwaige (Rat)schläge von Menschen, die einfach mal kurz ihre Neugierde befriedigen wollten. Wenn wir alle ein kleines bisschen mehr nach unserem eigenen Herzen schauen würden - wie es da aussieht, und ob wir glücklich sind - würde es uns sicherlich vermehrt gelingen, dieses voller Mitgefühl, Wertschätzung und Akzeptanz für die Situation des Anderen zu gebrauchen. Von da aus fällt es leichter, unsere Mitmenschen ganz wahrzunehmen, und im Hier und Jetzt einfach achtsam und liebevoll mit dem zu gehen, was sie uns offenbaren, und das stehen zu lassen, was sie nicht, oder noch nicht, benennen.

 

Und für alle, deren Wunde gerade wieder stärker blutet: Alles was geschieht, und auch was nicht geschieht, hat einen Grund. Die Herausforderung ist es, auch in schwierigen Phasen darauf zu vertrauen, dass der Sinn sich zeigen wird. Und auch diese Tiefphase im Leben zu schätzen. Ohne Schatten gäbe es schliesslich auch kein Licht. In jedem Chaos ist Kosmos, und in jeder Unordnung geheime Ordnung. Gerne bin ich für dich da, und begleite dich mit meinem Behandlungsangebot durch diese Phasen. 

dipl. Psychosoziale Beraterin / Coach

hol. Kinesiologin i.A.

in Schwyz

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Psychologie - Sensitivität & Medialität - Kinesiologie

 

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