Paradox der Veränderung

Ganzheitliche Praxis Sara Vercellone - Paradox der Veränderung
Ganzheitliche Praxis Sara Vercellone - Paradox der Veränderung

Wir sind alle so sehr mit der Idee der Veränderung beschäftigt, dass wir bisweilen vergessen, dass diese auch ganz leicht geschehen darf, und selten bis nie mit Kampf in Verbindung stehen muss. Zu dieser Thematik möchte ich einen Ausschnitt aus dem Buch «Wozu brauche ich Flügel?» von Arnold R. Beisser, teilen. Er erkrankte im Alter von 25 Jahren schwer an Kinderlähmung und wurde fast vollständig gelähmt. In diesem Buch, das mir damals vor acht Jahren im Rahmen meiner Psychologieausbildung in die Hände gekommen ist, beschreibt er seinen Umgang damit, und zeigt damit eindrucksvoll das Paradox der Veränderung auf:

 

«Meine Behinderung hat mich gelehrt, dass es auch eine andere Form von Veränderung gibt. Nur mit Widerstreben und aufgrund von Fehlschlägen habe ich sie entdeckt. An allen Fronten vernichtend geschlagen, musste ich lernen, aufzugeben und anzunehmen, wie ich geworden war und nicht hatte sein wollen. Aus meiner Aufgabe und der Annahme dessen, was ich mir nicht ausgesucht hatte, erwuchs das Wissen um eine neue Art von Veränderung und eine neue Lebensweise, das ich nicht erwartet hatte. Es war eine paradoxe Veränderung. Als ich aufhörte, zu kämpfen und an einer Änderung zu arbeiten, als ich Wege fand, anzunehmen, wie ich bereits geworden war, entdeckte ich, dass ich mich gerade dadurch veränderte. Anstatt mich behindert oder unzulänglich zu fühlen, wie ich befürchtet hatte, fühlte ich mich wieder ganz. Ich erlebte ein Wohlbefinden und eine Fülle, die ich zuvor nicht gekannt hatte. Ich fühlte mich nicht nur eins mit mir selbst, sondern auch mit dem Universum. Es war keine Veränderung, die von Kampf, Arbeit und Mühe geprägt war, sondern eher die Entdeckung, wie es möglich ist, nicht zu kämpfen, nachzugeben, einen Schritt beiseite zu treten und die Wahrheit deutlich werden zu lassen. Es war keineswegs die tragische Wahrheit, die ich erwartet hatte. Als ich bereit war, mich mit den Bedingungen zu konfrontieren, die mir unerträglich und undenkbar erschienen, veränderte sie sich in ihrer Wirklichkeit. Sie wurden von etwas Schrecklichem zuerst zu etwas nur Annehmbarem und dann zu etwas Interessantem und Erfüllendem.

 

Ich erfuhr, dass es nicht immer nötig ist zu kämpfen, um seinen Platz in der Welt zu finden, denn ich entdeckte den Platz, den ich schon in mir hatte. Je mehr ich mit diesem Platz vertraut wurde und mich auf ihn verlassen konnte, desto mehr fand ich heraus, dass es auch einen Platz in der Welt für mich gab. Ich hörte auf, mir Gedanken darüber zu machen, wie ich aus meiner misslichen Lage herauskommen könnte, und begann stattdessen, mich auf sie einzulassen. Dabei entdeckte ich, wie ihre unangenehmen und inakzeptablen Aspekte sich veränderten. Sobald ich mir gestattete, vollständig zu sein, wie und wer ich in diesem Moment war, ohne mir Gedanken über den folgenden zu machen, änderte sich dieser Moment, und ich änderte mich. Manchmal empfinde ich die Fülle, die ich hier und jetzt erlebe, umfassender als jemals zuvor. Es gibt dann keinen Wunsch, kein Defizit, nichts Größeres oder Kleineres, nichts Stärkeres oder Schwächeres. Es gibt nur das, was ist. Und das ist genug. Ich empfinde es als ein Privileg, auf der Welt zu sein und das Wunder, die Majestät, den Schrecken, die Tragödie und die Komödie des Lebens zu erfahren. Ich brauche das Leben nicht zu bezwingen, indem ich es ändere. Das Leben bezwingt auch mich nicht. Auf diese Weise kann ich auch Herkules sein, der Antäus in der Luft hält. Ich bin geboren mit der Kraft des Herkules und der Schwäche des Antäus. Beide sind Seiten meines grösseren Selbst. 

 

Erde unter mir zu haben, ist nicht so sehr eine Frage der Position meines Körpers und dessen, was er berührt, sondern mehr eine Sache des festen Kontakts mit den Realitäten. Dieser Kontakt ist unter allen Bedingungen möglich und nicht nur, wenn man mit den Füssen die Erde berührt. Aber er entsteht nur in der Unmittelbarkeit des gegenwärtigen Augenblicks und in der unmittelbaren Umgebung, in der ich lebe. Zu sein, wer ich bin, eröffnet mir überdies auch einen Zugang zur Transzendenz. Mein Bewusstsein und meine Bewusstheit entwickeln sich auf höhere Ebenen hin, denn ich bin Teil eines evolutionären Prozesses. Die evolutionäre Entwicklung ereignet sich überall, in jedem Moment und in allem. Wenn ich einen Schimmer von ihr erblicke, komme ich mit der Macht des Universums in Verbindung, mit seiner unaufhaltsamen evolutionären Kraft. In diesem Sinne bedeutet die Erde der Realität paradoxerweise zugleich die Überwindung dessen, was hier und jetzt ist, und eine Bewegung zu dem hin, was kommt. In den von Menschen geschmiedeten Zukunftsplänen oder in den Erinnerungen an die Vergangenheit gibt es keine wahre Kontinuität, sondern nur im Fluss jener Kontinuität, die das Erbe aller Lebewesen ist. Unsere momentanen Zustände ermöglichen es uns, uns mit den Gezeiten des Lebens zu bewegen. Der Entstehung und der Auflösung aller Dinge. 

 

Der Puls des Universums ist der Rhythmus des Lebens. Die menschliche Ausdrucksform dieses Rhythmus besteht sowohl darin, nach aussen zu gehen und sich auf die Welt einzulassen, als auch darin, sich zurückzuziehen und zu assimilieren. Es gibt Zeiten der Aktivität in der Welt und Zeiten der inneren Aktivität. Beide erfordern unsere ganze Aufmerksamkeit und unseren ganzen Einsatz. Dieser Rhythmus entscheidet darüber, wann es Zeit ist, in die Welt einzugreifen, oder wann es darum geht, sich dem zu überlassen, was sie bereithält. Man kann ihr nur folgen, wenn man sich einer Weisheit zuwendet, die umfassender ist als eine Reihe menschlicher Glaubenssätze. Diese Weisheit kommt von innen und von aussen. Man muss sie nehmen, wie sie kommt, in diesem Moment, an diesem Ort. Ich hatte nach einer Lösung gesucht, die ich mit meinem Verstand erfassen konnte, nach einer Idee oder Methode, an die ich mich für immer halten konnte. Das hatte mich blind gemacht für die Rhythmen und Pulse des Lebens im Universum. Ich habe nicht mehr vor, mich mir selbst oder der Welt entgegenzustellen. Ich möchte mich jenem zeit- und raumlosen Prozess anvertrauen, der paradoxerweise im Hier und Jetzt existiert».

in Schwyz

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Psychologie - Kinesiologie - Hypnose

 

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